Engel & Völkers verstärkt seine Direktansprache von Immobilieneigentümern. Das Maklernetzwerk hat eine neue Landingpage unter der URL „Immobilie verkaufen" geschaltet, die sich gezielt an Privatverkäufer richtet. Die Kampagne zeigt, wie etablierte Makler auf den Druck durch PropTech-Plattformen und ImmoScout24 reagieren.

Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr: Die Maklercourtage steht seit Einführung des Bestellerprinzips unter Druck, gleichzeitig werben digitale Portale mit niedrigen Pauschalgebühren um Verkäufer. Engel & Völkers setzt dem nun eine offensivere Online-Strategie entgegen. Die neue Seite bündelt Informationen zur Immobilienbewertung, zum Verkaufsprozess und zu regionalen Ansprechpartnern – klassische Inhalte, die bisher oft in der Neukundenakquise vor Ort vermittelt wurden.

Für die Wohnungswirtschaft hat diese Entwicklung mehrere Implikationen. Große Bestandshalter wie Vonovia oder LEG Immobilien verkaufen regelmäßig Portfolios oder Einzelobjekte und vergleichen dabei die Konditionen verschiedener Makler. Wenn Premium-Netzwerke wie Engel & Völkers stärker in die Direktvermarktung investieren, könnte das die Preisverhandlungen beeinflussen – insbesondere bei kleineren Paketen oder Einzelveräußerungen im gehobenen Segment.

Parallel zeigt sich ein Strukturwandel im Maklermarkt: PropTech-Anbieter automatisieren Teile der Bewertung und Vermarktung, klassische Makler kontern mit digitalen Tools und erweiterten Service-Versprechen. Engel & Völkers wirbt bereits mit einem digitalen Bewertungstool, das Online-Kontaktpunkte schaffen soll. Die neue Landingpage ist der nächste Schritt dieser Strategie.

Aus Sicht institutioneller Verkäufer bedeutet das: Wer Objekte abstößt, hat Zugang zu immer spezialisierten Vermarktungskanälen – ob über klassische Netzwerke mit starkem Online-Auftritt, über reine PropTech-Plattformen oder über hybride Modelle. Die Entscheidung hängt zunehmend von der Zielgruppe ab: Für hochpreisige Einzelobjekte bleibt die persönliche Beratung zentral, bei standardisierten Beständen gewinnen digitale Prozesse an Bedeutung.

Engel & Völkers positioniert sich mit der Kampagne explizit zwischen beiden Welten: digitale Erstansprache kombiniert mit lokalem Netzwerk. Ob diese Strategie ausreicht, um Marktanteile gegenüber reinen Online-Anbietern zu verteidigen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Für Portfolioeigentümer lohnt sich ein Blick auf die Konditionsstruktur – gerade bei größeren Transaktionen, bei denen individuelle Vereinbarungen möglich sind.

Der Wettbewerb um Verkaufsmandate dürfte sich weiter verschärfen. Neben Engel & Völkers investieren auch JLL und andere Player in digitale Akquise-Tools. Wer als Wohnungsbaugesellschaft oder WEG-Verwalter Objekte veräußern muss, sollte die Konditionen verschiedener Kanäle systematisch vergleichen – nicht nur die Provision, sondern auch Vermarktungsdauer und Zielgruppenreichweite.