Auf der Expo Real 2025 in München rückte digitales Parkraummanagement von einem Randthema ins Zentrum der Investorenstrategie. PropTech-Anbieter wie Wemolo präsentierten Lösungen, die brachliegende Außenflächen in steuerbare Einnahmequellen verwandeln. Was lange als notwendiges Übel galt, wird zunehmend als strategischer Werttreiber betrachtet – mit direkten Auswirkungen auf Bewertungsmodelle und Due-Diligence-Prozesse in der Immobilienwirtschaft.
Parkraum wird zum steuerbaren Asset. Digitale Management-Plattformen erfassen Belegungsdaten in Echtzeit, automatisieren Zugangskontrollen und ermöglichen variable Preismodelle je nach Tageszeit und Nachfrage. Unternehmen wie Wemolo versprechen, damit ungenutzte Flächen zu monetarisieren. Die zentrale Erkenntnis der Messe: Parkraum ist kein starrer Kostenfaktor mehr, sondern ein dynamisches Asset, das aktiv gesteuert werden kann.
Für Bestandshalter bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Bislang flossen Parkplätze als statische Position in die Kalkulation ein – oft pauschal mit Fixkosten für Instandhaltung und Beleuchtung. Digitale Lösungen liefern nun granulare Nutzungsdaten: Wie viele Stellplätze sind zu welcher Uhrzeit belegt? Welche Flächen bleiben dauerhaft ungenutzt? Diese Transparenz schafft Spielraum für neue Erlösmodelle.
Auswirkungen auf Bewertungsmodelle und Due Diligence. Die Digitalisierung von Außenflächen verändert, wie Immobilien bewertet werden. Investoren prüfen inzwischen, ob ein Objekt über digitale Parkraumlösungen verfügt und welche Zusatzerlöse sich daraus generieren lassen. In Due-Diligence-Prozessen werden Belegungsraten, Auslastungsprofile und Preisgestaltung abgefragt – Daten, die vor wenigen Jahren noch nicht existierten. Besonders relevant wird das bei gemischt genutzten Quartieren und Wohnanlagen mit hohem Pendleranteil. Hier lassen sich Stellplätze zeitweise an Externe vermieten, etwa an Bahnpendler oder Besucher angrenzender Gewerbeimmobilien.
Herausforderungen bei der Umsetzung. Trotz des Potenzials bleiben Hürden. Die Nachrüstung bestehender Tiefgaragen und Außenanlagen mit Sensorik und Schrankenanlagen verursacht Investitionskosten. Gerade bei älteren Wohnquartieren muss der Business Case sorgfältig gerechnet werden. Zudem stoßen variable Preismodelle bei Bestandsmietern auf Widerstand, wenn plötzlich für bisher kostenfreie oder pauschal vermietete Stellplätze nutzungsabhängig abgerechnet wird.
Rechtliche Fragen sind ebenfalls ungeklärt: Wie sind Daten zu Parkverhalten datenschutzrechtlich zu behandeln? Welche Klauseln müssen in Mietverträge, wenn Parkplätze künftig dynamisch bewirtschaftet werden? Hier besteht Handlungsbedarf, um Investitionssicherheit zu schaffen.
Ausblick: Parkraum als Rendite-Faktor. Die Entwicklung steht am Anfang. Doch die Signale von der Expo Real sind eindeutig: Parkraum wird künftig nicht mehr als passive Fläche behandelt, sondern als aktiv steuerbares Asset in die Bewertung einbezogen. PropTech-Firmen wie Wemolo treiben diese Veränderung voran und liefern die technische Infrastruktur. Ob sich die Erwartungen in der Praxis erfüllen, wird davon abhängen, ob sich tragfähige Erlösmodelle etablieren und rechtliche Rahmenbedingungen geklärt werden. Für Bestandshalter und Projektentwickler lohnt sich ein genauer Blick auf die verfügbaren Lösungen.