Die Wohnungsbaugenossenschaft GEWOSIE Bremen-Nord vermietet seit Kurzem aktiv Gewerbeflächen. Auf der Website der Genossenschaft sind mehrere Ladeneinheiten und Büroflächen gelistet. Für eine klassische Wohnungsbaugenossenschaft ist das ein ungewöhnlicher Schritt – und signalisiert eine strategische Portfolioerweiterung jenseits des angestammten Wohnungsgeschäfts.

Die Genossenschaft, die bislang ausschließlich Wohnraum in Bremen-Nord bewirtschaftete, stellt nun parallel zu ihren Wohnungsangeboten auch gewerbliche Mietflächen bereit. Details zur Anzahl, Größe oder konkreten Lage der Objekte veröffentlicht GEWOSIE auf der Website nicht. Auch zur Frage, ob es sich um Neubau, Bestandsumnutzung oder Übernahme handelt, schweigt die Genossenschaft bislang.

Hinter der Diversifizierung könnten mehrere Motive stehen. Genossenschaften agieren üblicherweise stark regional und eng verzahnt mit ihren Mitgliedern. Wenn GEWOSIE jetzt Gewerbeflächen anbietet, dürfte das entweder auf Nachfrage aus der Mitgliederschaft selbst zurückgehen – etwa Einzelhändler, Handwerker oder Dienstleister – oder auf wirtschaftlichen Druck im Wohnungsbestand. Sinkende Erträge durch Wohnungsleerstand oder steigende Instandhaltungskosten könnten die Genossenschaft veranlasst haben, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.

In strukturschwachen Regionen und Stadtrandlagen ist die Vermietung von Gewerbeflächen zudem oft stabiler kalkulierbar als Wohnungsmieten. Langfristige Gewerbemietverträge mit höheren Mieten pro Quadratmeter können helfen, Cashflow-Lücken zu schließen. Gleichzeitig steigt aber das Risiko: Gewerbemieter reagieren sensibler auf Konjunkturschwankungen, Leerstandszeiten sind länger, Mietausfälle schmerzhafter.

Für den Bremer Norden ist die Entwicklung ein Indikator. Die Region gilt als strukturschwach, der Einzelhandel steht unter Druck. Wenn eine Wohnungsbaugesellschaft hier aktiv Gewerbeflächen bewirbt, kann das zwei Dinge bedeuten: Entweder GEWOSIE sieht Marktpotenzial, das andere Akteure übersehen – oder die Genossenschaft versucht, eigene leerstehende Flächen zu vermarkten, die sich als Wohnraum nicht mehr rentieren.

Ähnliche Strategien verfolgen große Player wie Vonovia und LEG Immobilien längst im größeren Maßstab. Sie bewirtschaften neben Wohnungen systematisch auch Ladenlokale, Tiefgaragen und Büroeinheiten. Für eine regional verankerte Genossenschaft wie GEWOSIE ist dieser Schritt dennoch bemerkenswert – und könnte Vorbild für andere kleinere Wohnungsbaugesellschaften in vergleichbaren Lagen werden.

Ob die Strategie aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Entscheidend wird sein, ob GEWOSIE ausreichend Gewerbemieter findet – und ob die Genossenschaft die nötigen Strukturen für die Verwaltung gewerblicher Mietverträge aufbauen kann.

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