Der Essener Wohnungsbaugesellschaft VIVAWEST steuert nach eigenen Angaben nun 700 Heizungsanlagen zentral über eine digitale Plattform. Das Unternehmen hat sein Pilotprojekt mit Phoenix Contact von ursprünglich 400 auf 700 Anlagen ausgebaut. Ziel ist es, Energieverbrauch und Betriebskosten messbar zu senken.

Die Digitalisierung ermöglicht eine zentrale Überwachung und Steuerung der Anlagen aus der Ferne. Störungen lassen sich früher erkennen, Wartungsintervalle optimieren und die Heizleistung an den tatsächlichen Bedarf anpassen. VIVAWEST verspricht damit nicht nur niedrigere Energiekosten, sondern auch eine höhere Verfügbarkeit der Anlagen und weniger Ausfälle.

Für die Wohnungswirtschaft könnte das Modell wegweisend sein. Viele Vonovia, LEG Immobilien und andere Konzerne stehen unter Druck, Hausgeld und Nebenkosten stabil zu halten. Digitale Gebäudemanagementsysteme bieten einen Hebel, ohne in teure Sanierungen investieren zu müssen. Die zentrale Steuerung erlaubt zudem eine datenbasierte Priorisierung von Instandhaltungsmaßnahmen.

Ob sich die angekündigten Einsparungen in der Praxis bestätigen, hängt von mehreren Faktoren ab: der Qualität der Sensorik, der Reaktionsgeschwindigkeit bei Störungen und der Schulung der Mitarbeiter. Erste Erfahrungen aus dem 400-Anlagen-Pilot müssen nun im größeren Maßstab validiert werden. Die Umrüstung auf Fernwärme in Duisburg zeigt, dass VIVAWEST seine Bestände systematisch modernisiert.

Phoenix Contact liefert neben der Steuerungstechnik auch die Cloudplattform für die Datenanalyse. Das Unternehmen aus Blomberg ist spezialisiert auf industrielle Automatisierung und erschließt mit solchen Projekten den Immobilienmarkt. Für Facility Manager und Wohnungsverwalter stellt sich die Frage, ob sich Investitionen in solche Systeme lohnen – vor allem bei kleineren Beständen und gemischten Anlagentypen.

Die Skalierung von 400 auf 700 Anlagen in kurzer Zeit deutet darauf hin, dass VIVAWEST mit den Ergebnissen zufrieden ist. Konkrete Zahlen zu Einsparungen nennt das Unternehmen bislang nicht. Die Branche wartet auf belastbare Daten, um die Wirtschaftlichkeit ähnlicher Projekte zu bewerten. Die KI-gestützte Betriebskostenoptimierung könnte mittelfristig zum Standard werden – wenn die Investitionskosten in einem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen stehen.